Günter M. Ziegler mit dem Berliner Wissenschaftspreis 2017 ausgezeichnet

In einer feierlichen Zeremonie im Roten Rathaus überreichte Berlins Regierender Bürgermeister und Senator für Wissenschaft und Forschung, Michael Müller, den Wissenschaftspreis 2017 an Günter M. Ziegler, Professor an der FU Berlin, Sprecher der BMS und einer der führenden Köpfe des Matheon. Müller ehrte damit einen „exzellenten Mathematiker und beeindruckenden Kommunikator“. Den Nachwuchspreis verlieh er an Dr. Myfanwy Evans vom Institut für Mathematik der TU Berlin.


(Bild: Landesarchiv Berlin)



Mit dem Wissenschaftspreis des Regierenden Bürgermeisters werden bereits zum zehnten Mal in Berlin erbrachte hervorragende Leistungen in Wissenschaft und Forschung ausgezeichnet. Michael Müller betonte: „In Zeiten, in denen wissenschaftliche Erkenntnisse vermehrt angezweifelt und diffamiert werden, ist die Vermittlung komplexer Inhalte besonders notwendig und das Engagement Professor Zieglers umso wichtiger.“

In diesem Jahr steht der Berliner Wissenschaftspreis ganz im Zeichen der Mathematik. „Sie ist ein wichtiger Schwerpunkt in Berlin und international hoch angesehen. Und sie ist die Grundlage für zahlreiche anwendungsbezogene Innovationen, die unser tägliches Leben verändern“, sagte Müller. Er würdigte auch den Beitrag Zieglers zur Profilierung und zur internationalen Sichtbarkeit des Wissenschaftsstandortes Berlin durch sein großes Engagement für den Aufbau und die Arbeit des Forschungszentrums Matheon und insbesondere die Berlin Mathematical School, deren Sprecher Ziegler derzeit wieder ist.

Günter M. Ziegler, Jahrgang 1963, studierte an der LMU München und promovierte 1987 am MIT. Nach Stationen in Augsburg und Stockholm kam er 1992 nach Berlin. Hier war er zunächst am Zuse Institut Berlin tätig und habilitierte sich an der TU Berlin. Zwischen 1995 und 2011 war er dort Professor, bevor er an die FU Berlin wechselte, wo er bis heute forscht und lehrt – letzteres seit 2017 auch wieder an der TU im Rahmen einer Honorarprofessur. Sein mathematisches Wirken erstreckt sich über eine große Breite an Themen auf den Gebieten der Diskreten Mathematik, Geometrie, Topologie und Optimierung bis zur Numerik. Hierfür wurde er bereits vielfach ausgezeichnet, unter anderem 2001 mit dem Leibnizpreis der DFG und mit einem ERC Advanced Grant 2010. Ziegler ist Vorstandsmitglied in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (BBAW), Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina und Leiter des Medienbüros Mathematik der DMV.

Die Laudatoren des Abends, Professor Dr. Dr. h.c. Martin Grötschel, Präsident der BBAW, und Professor Dr. Jean-Pierre Bourguignon, Präsident des Europäischen Forschungsrates, beide ebenfalls renommierte Mathematiker, würdigten mit Günter M. Ziegler gleich sechs Personen in einer, wie es Grötschel formulierte:

Den Jungstar, der bereits zu Schulzeiten beeindruckende Erfolge in nationalen und internationalen Mathematik-Wettbewerben und -Olympiaden erzielen konnte.
Den erfolgreichen Wissenschaftler, der nicht zuletzt durch „verrückte Konstruktionen“ aufgefallen sei.
Den erfolgreichen Autor von wissenschaftlichen Bestsellern wie „Lectures on Polytopes“ und „Das Buch der Beweise“ (zusammen mit Martin Aigner).
Den erfolgreichen Wissenschaftskommunikator und Öffentlichkeitsarbeiter, der sowohl mit populärwissenschaftlichen Büchern wie als Initiator des Wissenschaftsjahrs der Mathematik 2008 und zahlreichen weiteren Aktionen für alle Altersstufen unermüdlich und erfolgreich zur Popularisierung der Mathematik beiträgt.
Den erfolgreichen Mathematik Organisator, der es versteht, Brücken zu bauen und damit entscheidenden Einfluss auf die Mathematik Community zu nehmen, sichtbar unter anderem im Erfolg von Matheon, BMS und der internationalen Strahlkraft der Berliner Mathematik.
Den erfolgreichen Dienstleister für die Wissenschaft – unter anderem mit seinem Engagement im Vorstand der BBAW und für Freies Publizieren.

„Wie nur ganz wenige verbindet Günter Ziegler hochrangige mathematische Forschung mit exzellenter Lehre, erfolgreicher Öffentlichkeitsarbeit und intensivem Engagement für die Wissenschaft weit über sein Fachgebiet hinaus“, sagte Grötschel.

Bourguinon gratulierte beiden Preisträgern im Namen des Europäischen Forschungsrates: „Ich freue mich, dass der ERC die Forschungsarbeit in Mathematik von Prof. Ziegler durch einen ERC Advanced Grant gefördert hat. Er ist der zweite ERC Laureat, der den Berliner Wissenschaftspreis seit seinem Beginn erhalten hat. Sowohl der Berliner Wissenschaftspreis als auch der ERC haben sich der Förderung wissenschaftlicher Exzellenz verpflichtet. In den ersten zehn Jahren seit seiner Gründung hat der ERC über 7.500 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gefördert, sodass sie ihren Ideen frei nachgehen und diese europaweit entfalten können."

Der Geehrte selbst betonte in seinen Dankesworten, wie wichtig das Überschreiten von Grenzen zwischen Fachgebieten und Institutionen, wie wichtig das Wir, das Gemeinsame in der Wissenschaft ist: „Mathematik machen ist in Berlin ein aufregendes gemeinsames Unterfangen. Es macht Spaß, mit so vielen tollen Kolleginnen und Kollegen gemeinsam etwas zu bewegen. Wir haben viel bewegt in den letzten 25 Jahren – und ich nehme den Wissenschaftspreis auch als Auszeichnung für die großartige Berliner Mathematik entgegen.“

Die Trägerin des Nachwuchspreises, Dr. Myfanwy Evans, ist Leiterin einer Emmy-Noether-Nachwuchsgruppe der DFG an der TU Berlin. Nach ihrer Promotion an der Australian National University in Canberra 2011, für die sie mit dem Dessertationspreis der Research School of Physics ausgezeichnet wurde, kam sie als 2012 Stipendiatin der Alexander von Humboldt-Stiftung an die Universität Erlangen und 2015 nach Berlin. Sie forscht an der Schnittstelle von Geometrie und Physik mit besonderem Fokus auf weicher Materie. So interessiert sie sich für Gestalt und Entstehung von Formen der Natur – zum Beispiel in Hautzellen. Dabei dient ihr die Natur als Inspiration für konstruktive Geometrie; die Mathematik wiederum dient der Charakterisierung und künstlichen Replikation der Natur. Auf dieser Grundlage lassen sich zum Beispiel neue Materialien entwickeln.
Mit dem Preis wird Myfanwy Evans auch als international sichtbare und vernetzte Nachwuchswissenschaftlerin gewürdigt. Im Jahr 2015 richtete sie mit „Shape Up“ eine Woche der angewandten Geometrie aus und holte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler international renommierter Universitäten als Keynote Speaker nach Berlin.

„Mein Ziel ist es, die Grenzen zwischen naturwissenschaftlichen Disziplinen aufzubrechen, indem ich Methoden anwende, die eher auf das Problem als auf die Disziplin abzielen. Berlin ist ein wunderbarer Ort, um diese Art von Forschung zu betreiben. Da hier so viele verschiedene Institutionen zusammenarbeiten, gibt es immer jemanden, mit dem man diskutieren kann. Der Preis ist eine schöne Anerkennung meiner bisherigen Arbeit, und ich hoffe, dass ich auch weiterhin zu Berlin als Wissenschaftsort für die Zukunft beitragen kann. Ich freue mich sehr über den Preis“, sagte Evans.

Der Wissenschaftspreis wird seit 2008 jährlich durch den Regierenden Bürgermeister von Berlin verliehen. Vorschlagsberechtigt sind Berliner Hochschulen, in Berlin ansässige außeruniversitäre Forschungseinrichtungen und ihre Träger sowie die für Wissenschaft und Forschung zuständigen Mitglieder des Senats. Das Preisgeld des Hauptpreises in Höhe von 40.000 Euro erhält die Institution, an der die wissenschaftliche Leistung erbracht wurde, das Preisgeld für den Nachwuchspreis in Höhe von 10.000 Euro geht an die Ausgezeichnete selbst. Die Jury setzt sich aus den für Wissenschaft und Forschung zuständigen Mitgliedern des Senats, dem Präsidenten der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften sowie bis zu neun weiteren herausragenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zusammen. Die Jury tagt nicht-öffentlich und beschließt in einfacher Mehrheit die Vorschläge für den Regierenden Bürgermeister.


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Die beiden Preisträger mit dem Regierenden Bürgermeister in der Mitte (Bild: Landesarchiv Berlin)


Günter M. Ziegler umrahmt von Jean-Pierre Bourguignon, Michael Müller und Martin Grötschel (Bild: Landesarchiv Berlin)




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